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Leseprobe Sturm im Widiwondelland  

 

In der Wadiwondelstadt

 

Und je mehr wir uns der Wadiwondelstadt näherten, desto hässlicher wurde das Land, desto grässlicher der Gestank. Ein Gestank, der den armen Dreimolekülschnüffler in einen Zustand höchster Abscheu versetzte. Er war erst bereit weiterzugehen, nachdem ich ihm ein Tuch um die empfindliche Nase gebunden hatte. Und dann erst die Stadt! Keine gemütlichen Häuschen und Wohnhöhlen, wie man sie von den Ansiedlungen der Widiwondel her kennt. Vor uns erhoben sich bizarre, zum Himmel ragende Gebäude, aufeinander geschichtet und gestapelt, gedreht, gedrechselt und gewunden. Aufgeblasene, ineinander verknotete Türme, Fenster, die blind ins Leere starrten, Türen wie aufgesperrte Schlangenmäuler. Kurzum: Gebilde, die man mit Worten überhaupt nicht beschreiben kann.“

„Schrecklich!“, rief Dini.

Herr Winzigmann stieß eine dicke Rauchwolke aus, die langsam nach oben schwebte und sich unter der Filzdecke verteilte (diesmal roch sie nach Pfennigkraut und Melisse). Dann erzählte er weiter. „Kaum hatten wir eines der Stadttore durchschritten, befanden wir uns inmitten einer dichten Volksmenge. Frösche, Zwerge, Quartlinge, Wurzelpfrümpfe, Salamander und natürlich auch Wadiwondel in großer Zahl. Es schien, wie wenn sich alle Völker des Waldlandes hier versammelt hätten. Die Leute drängten sich in den Straßen und hampelten mit ihren Armen und Beinen, als hätten sie Tollkirschenkompott und Fliegenpilzsalat gegessen.“

„Waren sie verrückt?“, fragte Bronti. „So wie der Kaktuskönig?“

„Verrückt oder nicht“, brummte Herr Winzigmann. „Sie tanzten. Dazu Gelächter, Gequieke, Gebrüll und eine Art Musik, die sich anhörte, als würde ein Schwarm Spechte auf unsere Trommelfelle einhämmern. Unsere Ohren schmerzten, unsere Köpfe dröhnten. Murmeltiere pfiffen, Eichelhäher kreischten, Grillen zirpten, Hummeln brummten, Igel flöteten, Wildschweine grunzten...“

„Wildschweine?“, entsetzte sich Bronti.

„Na ja, kleinere Exemplare. Eher so eine Art Meerschweinchen. An einer Straßenecke trafen wir einen Griesgram, der nicht von der allgemeinen Lustigkeit angesteckt war (Griesgrame sind nie lustig!). Gegen eine nicht unbeträchtliche Auskunftsgebühr erklärte uns der Eckensteher, dass hier ein Fest stattfände.“

„Ein Fest?“

„Keines, wie wir es kennen: Gemütlich, mit schöner Musik und angeregten Gesprächen und schmackhaften Speisen, wo man sich wohlfühlt und sich´s gut gehen lässt. Sondern eines, wo lauter verrückte Dinge passieren. Als wir auf dem Marktplatz eintrafen, waren die Wadiwondel gerade dabei, Türme zu bauen. Sie steckten Papperohre ineinander, immer ein Rohr in das andere. So wie Schilfhalme, aber riesengroß und ausgesprochen wackelig.“

„Und dann?“, fragte Dini.

„Dann kletterten sie auf die oberste Spitze und stürzten sich kopfüber in die Tiefe.“

„Sie haben sich in den Tod gestürzt?“, stotterte Bronti entsetzt.

„Keineswegs! Während uns vor Schreck noch der Atem stockte, bemerkten wir, dass die Tollkühnen an Seilen befestigt waren, die ihren Sturz abbremsten, kurz vor dem Aufprall auf den Boden.“

„Warum taten sie das?“, erkundigte sich der Mäusevater.

„Weiß ich´s?“, brummte Herr Winzigmann.

Aktuelles

Lesungen

 

Sonntag, 20.August, ab 15 Uhr im Lechpark Landsberg (am Feenteich): Lügengeschichten.

 

Samstag, 16.September: Im Rahmen des Landsberger Autorenkreises: Lesemarathon in der Buchhandlung Osiander, Landsberg.

 

Marionettentheater

"Der Weg nach Betlehem", ein Krippenspiel in bairischer Mundart. Im TaG-Theater Kaufering

Samstag, 25. November, Sonntag, 26.November, Samstag, 02.Dezember, Sonntag, 03.Dezember, jeweils 16 und 19 Uhr.

Näheres siehe www.amschnuerl.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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